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Produktbericht: VIBRAM FIVEFINGERS V-TRAIL 2.0

Produktbericht: VIBRAM FIVEFINGERS V-TRAIL 2.0

 

Barfuß über Stock und Stein


Autor: Kamil Scherba

 

Der neue Barfußschuh V-TRAIL 2.0 von VIBRAM FIVEFINGERS kam genau passend zu meiner Vorbereitung für das Innsbruck Alpine Trailrun Festival. Laut Hersteller soll es der perfekte Schuh für den Einsatz im Trail sein. Genauer gesagt ideal für das Laufen in der der Natur, auf Wegen oder bei Hindernisrennen – quasi der ultimative Schuh zum Bewegen auf unvorhersehbaren Oberflächen. Da war ich mal gespannt.

 

Mein erster Gedanke beim Anziehen: „Wie bekomme ich denn eigentlich meine Zehen in die einzelnen dafür vorgesehenen Boxen rein“. Jeder der schon mal einem Kind im Winter Handschuhe angezogen hat kennt das Dilemma. Mal sind zwei Finger drin und mal ist keiner drin. So auch bei meinen Zehen. Als die Zehen ihren geeigneten Platz gefunden haben, ging es mit der Schnürung flott. Hier verwendet VIBRAM eine Art „Quick-Lace-System“ an. Einmal stramm anziehen, arretieren und schon ist man fertig. Das Hauptaugenmerk soll aber die Sohle sein. Hier setzt der Hersteller auf seine patentierte VIBRAM-Gummi-Mischung. Diese zieht sich über die gesamte Sohle hinweg und deckt sogar an der Stoßkante die Zehenboxen ab. Das in der Gummisohle eingeformte Obermaterial aus Nylon-Mesh ist an der Schnürung verstärkt und soll damit dem Läufer besseren Schutz während des Outdoor Trainings bieten. Das Gewicht des Schuhpaars liegt bei einer männlichen Schuhgröße von 43 bei 396 g.  

Einmal drin, fühlt sich der Schuh wie eine Socke an. Obwohl der Schuh innen keine Einlegesohle besitzt, sind störende Nähte Fehlanzeige. Somit sitzt der Fuß flach und ohne jegliche Sprengung im Schuh. Auch sonst ist der Schuh qualitativ hochwertig verarbeitet. Das macht sich besonders beim Laufen bemerkbar. Obwohl wenig Material den Schuh umhüllt, fühlt er sich zu keiner Zeit „unsicher“ an. Sogar harte oder scharfe Gegenstände auf unregelmäßigem Gelände werden kaum wahrgenommen. Darüber hinaus bietet die Sohle sowohl bei trocknen als auch bei nassen oder tiefen Untergründen höchste Traktion und durch den flachen Sitz eine gute Agilität. 

Großes High- aber auch Low-Light ist die Schnürung. Noch nie hatte ich einen Schuh, bei dem die Schnürung auf Anhieb gepasst hat. Immer war es entweder zu locker oder zu fest. Zweiteres hat mir bei meinen letzten Trail-Schuhen sowas von den Nerv geraubt, dass ich stellenweise beim Training die Schuhe nach kurzer Zeit ausziehen musste, weil die Schmerzen zu groß waren. Die Schnürung passt den V-TRAIL 2.0 somit optimal an den Fuß an. Wobei – eher fast optimal. Denn am Schaftbereich bleibt irgendwie doch immer eine kleine Kluft, in der sich kleine Steinchen verirren können. Und ist mal einer drin, dann wird es unangenehm. Denn einfach mal so den Schuh kurz aus- und wieder anziehen ist nur bedingt möglich – hier erinnere ich an die Problematik beim Anziehen was mit nicht ganz trockenen Füßen weiter erschwert wird.

Nichtsdestotrotz lässt es sich mit dem Schuh gut laufen. Im Training habe ich den Schuh insbesondere auf unbefestigten sowie befestigten Natur- und Waldwegen getragen – hauptsächlich auf steinigen oder matschigen Trails. Ich bin mit ihnen 6 Wochen lang ca. 3-4 pro Woche auf einer Kurzdistanz unterwegs gewesen. Auf der Strecke verhält sich der Schuh aufgrund des direkten Bodenkontaktes sehr dynamisch. Bedingt durch die unwegsamen Untergründe war die Fußmuskulatur ständig dazu angehalten die Unebenheiten auszugleichen und verlangte zudem eine Anpassung des Laufstils auf Vor- oder Mittelfuß.

 

Da der Schuh keinerlei Dämpfung besitzt, würde ich ihn einem reinen Fersenläufer oder „schweren“ Läufer nicht gerade empfehlen. Auch Laufanfänger würden mit dem Schuh wegen der fehlenden Führung und Stabilität ihre Probleme bekommen und gegebenenfalls umknicken. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der Schuh eine solide Fußmuskulatur voraussetzt, was vor allem bei längeren Strecken unbedingt notwendig ist. Geübte Läufer werden definitiv ihren Spaß damit haben. Dabei entdecken sie neue Trainingsreize was garantiert zu Muskelkater in der Wade führen wird. Man sollte es mit ihnen eher langsam angehen, denn erst am nächsten Tag merkt man wie sehr der Fuß in den Schuhen arbeiten musste.

 

Fazit: Den meisten Läufern ist bekannt, dass Barfußlaufen die wohl effektivste und gesündeste Art zur Stärkung der Fußmuskulatur ist. Genau das fördern die VIBRAM FIVEFINGERS Barfußschuhe. Beim Kauf von Laufschuhen werden aber Barfußschuhen leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Zu Recht? Naja - aus verkaufstechnischer Sicht definitiv ja, denn in welchem Einzelhandel gibt es die schon. Aus gesundheitstechnischer Perspektive eher nein. Ich persönlich würde sagen „es kommt drauf an, was man will“. Auch wenn ich Barfußschuhe nicht als klassische Laufschuhe sehe, sind sie dennoch aus gutem Grund ein interessantes Trainingsgerät und somit ein Muss in jeden Schuhschrank eines Läufers! Fakt ist, ich werde meine nicht bei jeder Trainingseinheit tragen, aber dennoch in meinen Trainingsplan integrieren.

 

 

Grüße


Kamil Scherba

 


instagram: kamilscherba.athlete

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