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Eventbericht: "Trail des Idylles" in Belgien

Unser rasender Reporter Paul war Anfang April in Belgien beim halsbrecherischen "Trail des Idylles" in Ostbelgien am Start. Warum die Belgier keine OCR brauchen und warum Paul in Zukunft sicher öfter mit nassen Füßen unterwegs in Belgien sein wird, erfahrt ihr auf seinem ausführlichen Eventbericht:

 

Über Trailrunning in Belgien hat man ja irgendwie schon viel gehört. Begeisterte Zuschauer und Läufer, günstige Preise, abwechslungsreiche Streckenführung, Flussdurchquerungen und zudem mit um die 2 Stunden Anfahrt eigentlich im heimischen Trail-Hinterzimmer gelegen. Grund genug nach vielen Jahren endlich mal in Belgien an den Start zu gehen und sich selbst ein Bild von all dem zu machen.

Ausgesucht habe ich mir dafür den Trail des Idylles bei Malmedy, wobei ausgesucht eigentlich zu viel gesagt ist. Aufmerksam wurde ich nämlich durch meine seit Jahren liebevoll gepflegt Sportblase auf Facebook, aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.

 

Malmedy also, abgesehen von ein paar Assoziationen zu den Ardennen für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt. Angesagt waren 55 Kilometer mit 2750 Höhenmetern, was selbst manch alpiner Trail nicht zusammenbringt. Ein gewisser Anspruch war also durchaus zu erwarten. Daneben waren noch Strecken über 25 und 15 Kilometer im Angebot. Auf der Ultradistanz starteten über 200 Läufer, was am Start eine eindrucksvolle Läuferschar ausmachte. Ein bisschen ungewohnt so ganz ohne Abstand und Maske. Mutmaßlich wurde durch den Veranstalter auch ordentlich eingeheizt. Zumindest war das an den Reaktionen abzulesen, da Malmedy bereits im wallonischen und damit französischen Teil Belgiens liegt. Pünktlich gegen Neun wurde dann runtergezählt und die Masse setzte sich in Bewegung. 

Trail des Idylles

Bis zum ersten Trail waren es vielleicht 800 Meter. Dieser schlängelte sich zwischen Waldrand und Weidezaun bergauf, um uns sogleich auf einem noch schöneren Pfad am Rande des ansässigen Canyons auszuspucken. Diesen sollten wir an diesem Tag noch häufiger queren. Nach nicht einmal 3 Kilometern ging es spontan durch einen abgeholzten Hang ungewohnt steil und rutschig bergab. Ein erster Hinweis darauf, dass es hier deutlich robuster zur Sache geht als in der Heimat.

In der Folge entwickelte sich ein wildes auf und ab. Auf einen steilen Downhill folgte in aller Regel ein noch deutlich steilerer Uphill. Der weiche und teils rutschige Untergrund machte die Anstiege besonders herausfordernd, sodass die Hände regelmäßig zur Hilfe genommen werden mussten. Ein Seil hätte an vielen Stellen sicher geholfen, aber wir waren ja in Belgien…

 

Nach gut 8 Kilometern lief die Strecke am Rand von Malmedy durchs Tal und hinüber in ein privates Waldstück. Hier ging es in gleicher Manier weiter. Jedoch wurde schnell deutlich, dass diese Trails bzw. eng markierten Off-Trail Passagen noch seltener belaufen werden und in Teilen kaum mehr zu erkennen waren. Gefühlt ging es an manchen Stellen eher um Trailbuilding durch belaufen, als um Trailrunning. Als ich nach gut 15 Kilometern kurz vor der ersten Verpflegungsstelle auf meine Uhr schaute, hatte ich bereits 1000 Höhenmeter überwunden. Sollte es die ganz Zeit so weitergehen? 

Zum Glück wurde es im nächsten Abschnitt etwas zahmer und man konnte wieder ein bisschen an der Pace arbeiten. Es folgten deutlich laufbarere Abschnitte. Dennoch legte ich mich in einer matschigen Passage plötzlich ab und sah kurzzeitig etwas verwildert aus. Dies sollte sich aber schnell wieder ändern, denn die nächste Talquerung unter einer Autobahnbrücke brachte die erste Flussquerung mit sich. Eigentlich ein kleiner Bachlauf, aber mit einem Mal stand ich ungefähr einen Meter tief in der Brühe. Wer braucht schon Brücken?

Mit sauberen Beinen und frisch gekühlten Muskeln ging es also weiter. Nachdem alles wieder halbwegs trocken war, ging es direkt durch den nächsten Bachlauf und anschließend auf eine extrem verblockten Trail, der leicht auf 2000 Meter Höhe hätte liegen können. Im anschließenden Moorgebiet gab es sogar ab und an längere Holzstege. Damit war nach dem bisherigen Verlauf eher nicht zu rechnen... 

Relativ unvermittelt wurde es nach 25 Kilometern wieder deutlich anspruchsvoller. Über den nächsten Fluss führte einst eine kleine Brücke von der inzwischen nur noch die zwei Hauptbalken existierten. Der Läufer vor mir versucht kurz darüber zu balancieren, folgte mir aber recht schnell direkt durchs Wasser. Nach ein paar richtig schönen Trails kam eines der Highlights der Strecke. Es ging durch die sehr wilde Klamm Canyon de Tros-Maret. Auf diesen läuferisch sehr technischen Passagen konnte ich regelmäßig Boden gegenüber anderen Läufern gut machen. Dadurch arbeitete ich mich langsam in die Top 10 vor. Dies führte dazu, dass ich ab der 2. Verpflegungsstelle quasi allein unterwegs war. Im Anschluss ging es wieder auf einem eher frischen Trail hinab und plötzlich stand ich vor einer riesigen Pipeline. Die Markierungen gingen unter dieser durch. Echt jetzt? Kurz nochmal verwirrt rechts und links geschaut und ab in tiefster Gangart gleitend drunter durch. Wer braucht schon Hindernisläufe, wenn man in Belgien durch die Natur robben kann…

 

Es ging ein weiteres Mal durch das tief eingeschnittene Tal und weit vor mir sah ich schemenhaft zwei weitere Läufer. Ging etwa noch was nach vorn? So langsam musste ich allerdings das Tempo ein bisschen moderieren und so war es das letzte Mal dass ich Tuchfühlung nach vorne hatte. Es folgte ein weiterer normalerweise gesperrter Bereich oberhalb eines beeindruckenden Steinbruchs. Die schlammige Passage verdoppelte auf einen Schlag das Gewicht meiner Schuhe. Ablaufen konnte man sich den Schlamm auf den folgenden sehr schmalen und welligen Trails, die mit einigen schönen Schautafeln der heimischen Tierwelt aufwarteten. Weiter ging es steil hinab und zum xten-Mal extrem steil bergauf. Nach der nächsten Querung des Canyons war im Anstieg erst leise und dann immer lauter werdende Blasmusik zu hören. Kann das sein oder werde ich langsam wirr im Kopf? Und dann bei Kilometer 40 an der letzten Verpflegungsstelle steht plötzlich eine Blaskapelle im Wald und gibt alles. Was wohl deutsche Förster und Jäger dazu sagen würden?

Trail des Idylles

Der letzte Abschnitt war dann zweigeteilt. Anfangs ging es im gewohnten anspruchsvollen auf und ab weiter. Highlight war hier sicherlich die Passage um das Château de Reinhardstein, welches imposant auf einem Felsvorsprung thronte. Unterhalb der Burg ergoss sich überdies ein langer Wasserfall ins Tal. Die Wegführung ermöglichte es dabei, die Burg aus fast allen Winkeln in Augenschein zu nehmen.

 

Danach kehrten wir den letzten Ausläufern des Canyons den Rücken und liefen über anfangs leicht ansteigende und später wellige Forstwege Richtung Ziel. Dabei ging es noch einmal in der Nähe der Blaskapelle vorbei, was der Motivation nicht abträglich war. Hin und wieder waren selbst hier noch sanfte Trails in den Streckenverlauf eingewebt. Kurz vor dem Ziel kam dann plötzlich doch noch ein Läufer von hinten, schloss zu mir auf und ließ mich kurzzeitig stehen. Zum Glück folgte auf den letztens Metern zum Zielgelände hin nochmal ein kurzer und steiler Downhill, sodass ich wieder Anschluss fand und wir zusammen auf Platz 9 ins Ziel laufen konnten. Am Ende standen gut 53 Kilometer mit 2700 Höhenmetern in 6:22 Stunden auf der Uhr.

 

Im Anschluss konnte man sich kurz im Duschzelt auf dem Parkplatz frisch machen und die gesellige Atmosphäre im Ziel genießen. Blasmusik und eine gute Bratwurst durften dabei natürlich nicht fehlen. Ins Ziel kamen schließlich nur 133 Läufer, wobei der finale Finisher knapp 11 Stunden benötigte.

 

Fazit:

Im Fazit bleibt festzuhalten, dass es eine sehr selektive Strecke war, die nicht Wenige über ihre Grenzen gebracht hat. Für mich persönlich steht fest, dass ich in Zukunft häufiger nach Belgien kommen werde, da sich alles was ich eingangs über die belgische Trailszene vermutet hatte, absolut zutrifft. Deutsche waren hier übrigens kaum am Start. Daher kann ich abschließend nur sagen, fahrt nach Belgien und meldet euch zu einem der unzähligen Events an. Es lohnt sich! 

 

Hier geht es zu Pauls Eventvideo!

 

Weitere Infos zum Trail des Idylles findet ihr hier auf der offiziellen Website.


Paul Ruick Hoka Trailrunning24
Unser rasender Reporter Paul Ruick

 

Unser rasender Reporter und leidenschaftlicher Hoka-Läufer Paul ist seit 2015 auf den Trails in Deutschland und dem europäischen Kontinent unterwegs. Neben kurzen, knackigen Trailevents liebt er ebenso die langen Kanten, wo er schon verrückte Rennen wie den Swiss Peak170, den Madeira Island Ultra 115km oder den KoBoLT 140km erfolgreich gefinisht hat.

 

Ein Bild von Paul könnt ihr euch hier machen: 

DUV Ultramarathon-Statistik

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